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der motor – Ausgabe 1/23 – Kommunikation für die Branche

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Spannende Einblicke in den Motorsport, zukunftsweisende Entwicklungen in der Luftfahrt, aber auch effiziente und hochmoderne Ersatzteilversorgung. Diese und viele weitere Themen ab heute für euch in der neuen Ausgabe "der motor".

Außen Käfer, innen

Außen Käfer, innen Monster Wenn ein Boxermotor zur Höchstleistung aufläuft. 3,2 Liter Hubraum, unzählige Veränderungen und Optimierungen, Leistungssteigerung auf rund 1.400 PS Leistung. Und beinahe verblüffend regelmäßige, aber unplanbare Herausforderungen und Problemchen. Nicht umsonst bekam dieses Monster den skurrilen Spitznamen „Kaeferdesaster“. Der Treffpunkt ist eine unscheinbar wirkende Doppelgarage. Man würde wohl kaum vermuten, dass sich hier ein wahres PS-Monster versteckt und von seinem Besitzer umsorgt wird. Was sich hinter den speziell angefertigten Türen verbirgt, sorgt bei Enthusiasten jedoch gleichermaßen für herunterklappende Kinnladen, wie auch für ungläubiges Kopfschütteln. Ein VW Käfer, oder besser dessen äußeres Antlitz, warten hier voller Freude auf den nächsten Renneinsatz. „Angefangen hat alles vor mittlerweile 20 Jahren mit einem einfachen 1.200er Motor. Da habe ich aber noch nicht einen Ge- 8 www.dermotor.de | Ausgabe 1/2023

Außen Käfer, innen Monster danken dran gehabt, wo diese Reise mal hin gehen wird.“ verrät Arndt Putzmann. Ihm gehört das Kaeferdesaster. Damals waren wohl nur die spürbare Leidenschaft zum Motorsport und eine kleine Prise Wahnsinn nötig, das Projekt Drag Racing Käfer war geboren. Nach und nach kamen Veränderungen, größere Motoren und immer wiederkehrende Probleme auf. Wobei, Probleme? Gefühlt nahm man diese eher als Herausforderungen wahr! Die Entwicklung des Fahrzeugs schritt über die Jahre so weit fort, dass mittlerweile im Heck des Käferchassis dank der speziellen Umbauten und Zusatzaggregate, beispielsweise des eigens hierfür ausgesuchten Turboladers mit einer Leistung von gut 3,5 bar Ladedruck, der speziellen Einspritztechnik etc. rund 1.400 PS ihr Unwesen treiben und mit brachialer Gewalt nach vorn schieben. Einspritztechnik. Ein sehr interessanter Punkt und eine echte Besonderheit. Der Motor ist, entgegen vieler Erwartungen, mit einem Verhältnis von ca. 7:1 sehr niedrig verdichtet. Und das ist auch so gewünscht und absolut notwendig! Denn die Kraft, die für einen erfolgreichen Rennlauf notwendig ist, kann nur durch hohe Treibstoffmengen und die passende Verbrennung erzeugt werden. Um in jedem Drehzahl- und Geschwindigkeitsbereich die richtige Menge Methanol im Zylinder einzubringen, sorgt eine ausgeklügelte Steuerung von 5 Düsen PRO ZYLINDER für optimale Versorgung. Sie werden einzeln, in Gruppen, oder gezielt gemischt je nach Kolbenstand im Zylinder angesteuert. So können Leistungslöcher, Wheelspin am Start und einige andere unerwünschte Nebenerscheinungen weitestgehend ausgemerzt werden. Der 3,2 Liter Boxermotor ist durch diese Besonderheiten und viele „Try-and-error-Erfahrungen“ inzwischen zum zweitstärksten bekannten Boxermotor der Welt herangewachsen. Lehrgeld, dass sich nach Ansicht von Arndt Putzmann dennoch gelohnt hat und jede schlaflose Nacht wert war. Alles vergeben und vergessen, wenn die 1.400 PS mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 1,28 Sekunden und einer Spitzengeschwindigkeit jenseits der 300 km/h nach der ¼ Meile durchs Ziel fahren. Heute jedoch ist das Monster gerade erstaunlich ruhig. Vermutlich liegt es an der OP am offenen Herzen. Der Motor ist zerlegt, eine Pleuelstange ist „ausgerastet“ und hat ordentlich Schaden im Gehäuse und am Kolben angerichtet. Auch dies ist Teil des Extremsports Drag Racing. Die verwendeten Motoren haben, bedingt durch die immensen wirkenden Kräfte, keine hohe Lebenserwartung. www.dermotor.de | Ausgabe 1/2023 9